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NAS Server im Eigenbau


NAS Server im Eigenbau

Fotos, Videos, MP3s, Daten und Filme - das alles benötigt Speicherplatz ohne Ende und soll dazu möglichst auf allen Geräten im Haus oder sogar mobil verfügbar sein. Gerade Heimkinobesitzer können von einem Massenspeicher profitieren, der im gesamten Netzwerk verfügbar ist und somit auf alle TV-Gerät im Haus streamen kann. Wir zeigen euch, wie man einen hochwertigen NAS Server selbst bauen und hunderte Euro sparen kann.


Warum ein NAS Server?


Wer all seine Videos, Fotos, Filme und Daten überall im Haus zur Verfügung haben möchte, um sie an unterschiedlichen Geräten zu betrachten, der kommt um einen Speicherplatz im Netzwerk nicht drum rum. Das Zauberwort heißt NAS (Network Attached System), was nichts weiter bedeutet, als Netzwerkspeicher. Der große Vorteil solch eines Netzwerkspeichers liegt klar auf der Hand: Er ist unabhängig von einem PC und alle elektronischen Geräte, die sich in einem Netzwerk befinden, können auf ihn zugreifen. Zudem dienen NAS Systeme in vielen Fällen als komfortable und schnelle Backup-Lösung der wichtigsten Daten. Denn sollte der PC einmal ausfallen, vom Blitz getroffen werden oder bis auf das Grundgerüst niederbrennen, so befinden sich alle wichtigen Daten zusätzlich an einem anderen Ort - dem NAS.

Warum selbst bauen und nicht einfach kaufen?


Wer sich mit der Thematik bereits einmal auseinander gesetzt hat, wird schnell festgestellt haben, dass die Preise größerer NAS Systeme die Grenzen von Gut und Böse sprengen. Die günstigsten NAS Systeme mit 12 TB Speicherplatz (6x2 GB Festplatten) beginnen bei 1.200 EUR und reichen bis knapp 3.000 EUR. Wem der Platz von 2-4 TB vollkommen ausreicht, der sollte auf ein fertiges NAS System, wie dem "Buffalo LinkStation Duo 4000GB" oder dem "Western Digital My Book Live 2000GB" zurückgreifen. Hier lohnt sich der Eigenbau eher nicht. Interessant wird es erst ab drei Festplatten, die im Verbund arbeiten. Daher zeigen wir euch, wie man selbst einen NAS Server mit 6 Festplatten á 3 TB, also insgesamt 18 TB baut.

Produktübersicht


Diese Einzelprodukte haben wir in unserem NAS verbaut. Wer die Anzahl oder Größe der Festplatten reduziert, kann natürlich noch ordentlich einsparen.



Warum genau diese Bauteile?


Die Wahl des Gehäuses richtet sich natürlich vor allem nach der Anzahl der Festplatten, die man verbauen möchte. Das von uns gewählte "Fractal Node 304" ist ein relativ neues Modell und wurde aufgrund einiger Vorgängerversionen bereits mehrfach verbessert. Hier kann man von einer vernünftigen Konstruktion ausgehen. Der Preis ist vergleichsweise gering und somit ist es der ideale Kandidat für unser NAS.

Beim Netzteil hat man die Qual der Wahl. Wir wollten ein möglichst günstiges, welches dennoch sehr leise und langlebig ist. Die Energieeffizienz spielt auch eine große Rolle, weshalb es mindestens ein 80Plus Gold Zertifikat haben sollte. Das "be quiet! System Power S7 - 450 Watt" war mit das günstigste in seiner Energieklasse, wobei es natürlich viel zu viel Power für unsere 6 Festplatten hat. Netzteile unter oder um 200 W haben jedoch sehr schlechte Energieeffizienzen und sind dann auch noch unter Umständen teurer als ein "gewöhnliches" 450 Watt. In das von uns gewählte Gehäuse von Fractal passen glücklicherweise herkömmliche Netzteile hinein, was im Übrigen auch ein Kaufkriterium war.

Nun kommen wir zum Herzstück, dem Mainboard samt Prozessor. Ein NAS Server mit 6 Festplatten für den Heimgebrauch benötigt keine super Hardware mit Hochleistungs-Quadcore-Prozessor. In vielen Foren wird das jedoch behauptet. Nach unseren Praxistest können wir mit Sicherheit sagen, dass unsere gewählte 2-Kern CPU mit rund 2 x 1.0 GHz für den Betrieb von 6 Festplatten im Raid5 vollkommen genügt. Diese "C-60" CPU von AMD ist bereits auf dem Mainboard montiert und arbeitet mit nur 9 Watt TDP. Das ist natürlich ein super Wert für unseren energiesparsamen NAS Server. Die Wahl der CPU hätte z.B. auch auf einen Intel Atom oder einen AMD A4 fallen können. Diese wären jedoch zum einen teurer gewesen, hätten mehr Energie benötigt und wären zu Leistungsstark für unseren geringen Bedarf. Zum anderen hat sich bei unserer Recherche nach dem richtigen Mainboard die integrierte CPU von selbst ergeben, da wir nach einem Mainboard suchten, welches bereits 6x SATA-Anschlüsse onBoard besitzt. Hier war das "ASUS C60M1-I" mit 59 EUR einfach der Preisschlager schlechthin. Weitere Modelle mit 6x SATA-Anschlüssen folgen ab 142 EUR und aufwärts.

Beim Ram genügen locker 2 GB für unser Vorhaben, weshalb wir einen möglichst günstigen mit Kühllamellen gesucht haben. Die Wahl traf auf das Corsair Modul, könnte aber genauso gut auch ein anderes sein. Eine Geschwindigkeit von 1.066 MHz würde genügen, da die CPU oder das Mainboard mit mehr nicht umgehen können.

Sicherlich wundert ihr euch über den oben aufgeführten USB-Stick. Dieser ist allein für das Betriebssystem gut, welches wir darauf installieren müssen, um den NAS Server zu betreiben. Dazu später mehr.

Die Wahl der Festplatten ist am Ende jedem selbst überlassen. Wir haben uns hier einfach für den Preis-/Leistungssieger laut PCGH entschieden. Hier bekommt man die meisten GB pro EUR und hat eine recht ruhige und relativ sparsame Festplatte.

Der Zusammenbau


Prinzipiell ist ein NAS Server nicht anders als ein gewöhnlicher Desktop PC. Er besteht aus den gleiche Komponenten, nur ist eben alles eine Nummer kleiner. So ist das Mainboard gerade mal so groß wie das Netzteil. Insgesamt ist der Zusammenbau etwas kniffliger, als bei einem normalen PC, da mehr Fingerspitzengefühl gefragt ist.

1. Das "Fractal Design Node 304" Gehäuse macht vom ersten Moment an einen soliden Eindruck. Anstelle der einzelnen Seitenteile nimmt man beide Seite plus Deckel in einem Stück ab, so wie man es aus früheren Zeiten kennt. Das mag etwas ungewöhnlich sein, macht aber spätestens beim Einbau der Komponenten wirklich Sinn. Die Festplattenhalterungen sind allesamt entkoppelt und es gibt insgesamt 3 Haltung für je zwei Platten. Die Halterungen lassen sich mit je zwei Thumbscrews (Schrauben, die sich mit den Fingern festdrehen lassen) und einer kleinen Kreuzschraube lösen bzw. befestigen. Warum man nicht drei Thumbscrews nutzt - keine Ahnung! Die einzelnen Platten lassen sich einfach und schnell an den Halterungen anbringen. Diesen Schritt solltet ihr zu allererst ausführen, da mit eingebauten Festplattenhalterungen gar nichts geht. Habt ihr alle Platten an ihren Halterungen befestigt, könnt ihr diese erst einmal beiseitelegen.

2. Sind die Festplattenhalterungen ausgebaut, folgt direkt das Mainboard samt Gehäuseausgangsplatine, welche leider sehr preiswert wirkt und nicht gut verarbeitet ist. Bevor das Mainboard ins Gehäuse wandert, habt ihr natürlich schon das Ram Modul befestigt. Das Board verschraubt ihr an den vier dafür vorgesehenen Stellen. Etwas Probleme beim Positionieren des Mainboards macht die Längsstrebe, welche recht mittig hinten im Gehäuse als Halterungsrahmen für das Netzteil dient. Man muss etwas fummeln, bis man das Board daran vorbei geschleust hat. Nun folgen die berühmten kleinen Ministeckkontakte des Gehäuses für Power und Power-LED. Ist das geschafft, habt ihr das gröbste hinter euch.

3. Nun folgt das Netzteil, welches rechts neben dem Mainboard an der vorgesehenen Halterung verschraubt wird. Am "Fußende" des Netzteils liegt es auf zwei Gumminoppen, welche für genügend Bodenabstand und gleichzeitig Entkopplung zum Gehäuse sorgen. Am Gehäuseboden befindet sich ein Luftgitter, wodurch das Netzteil mit ausreichend Frischluft versorgt wird. Da hat man mitgedacht! Jetzt wo das Netzteil eingebaut ist, stehen wir vor einem kleinen Problem: Es gibt nur einen fest Kabelstrang und keine abnehmbaren Kabelstränge. Auf PCIe Stromversorger könnten wir z.B. verzichten. Nichtsdestotrotz haben wir sämtliche Kabel recht unkompliziert verstauen können, wie ihr auf den Bildern sehen könnt. Der Großteil liegt zusammengeknautscht und mit Kabelbindern zusammengebunden hinter dem Stromversorger.

4. Nun kommen die anfangs vorbereiteten Festplattenhalterungen samt Festplatten von oben in das Gehäuse. Diese lassen sich sehr leicht und punktgenau verschrauben. Alles sitzt auf Anhieb. Es folgen zuerst die zwei SATA Stromkabel vom Netzteil in sinnvoller Reihenfolge und dann die SATA Anschlusskabel für das Mainboard. Ihr solltet zuerst alle Kabel am Mainboard befestigen und dann erst an den Festplatten. Dort wo viele Kabel zusammenlaufen, sollten sie unbedingt per Kabelbinder miteinander verbunden verzurrt werden, um einen besseren Luftstrom zu ermöglichen. Das gleiche gilt für alle anderen Kabel auch. Bindet so viel wie möglich zusammen, um so viel Platz im Gehäuseinneren wie möglich zu schaffen. Die Temperaturen der Festplatten und des Systems werden es euch danken.

5. Bei Lieferung des "Fractal Design Node 304" sind direkt 3 Gehäuselüfter montiert. Vorne zwei 10er, hinten ein 14er. Diese haben zusammen gewaltige Power, welche für unseren Zweck mehr als ausreichend ist. Den großen hinteren Lüfter schließt ihr direkt an das Mainboard ("Cha Fan") an, sodass dieser je nach Systemtemperatur automatisch vom Mainboard gesteuert wird. Die vorderen beiden Lüfter sind am hinteren Ende des Gehäuses an der externen Lüftersteuerung anzuschließen, welche durch einen 4-Pin IDE Stromanschluss versorgt wird. Unser Test hat ergeben, dass diese beiden zusätzlich Lüfter nicht zwingend notwendig sind, da das System auch ohne diese kühl genug arbeitet.

6. Nun solltet ihr testen, ob der Rechner auch anspringt. Wenn ja, könnt ihr den Gehäusedeckel wieder montieren und schon geht's los...!

Die Software für unser NAS


Als Software habt ihr natürlich viele Möglichkeiten. Wir haben uns für das gängige und recht benutzerfreundliche FreeNAS in der Version 8.3.0 entschieden. Dieses ist open Source und damit kostenlos. Ihr könnt hier die .iso Datei downloaden und brennt diese auf eine CD oder DVD. Wie oben bei der Produktliste aufgeführt, kommt nun unser USB Stick zum Einsatz. Hier könnt ihr auch einen anderen als den von uns vorgeschlagenen nehmen. Wir wollten jedoch einen möglichst schnellen benutzen, der die USB 2.0 Bandbreite voll ausnutzen kann, sodass durch den Stick als Betriebssystem-Storage kein Flaschenhals entsteht.

Zur Installation benötigt ihr temporär ein CD- oder DVD-Laufwerk, welches ihr kurzzeitig an einen der SATA-Anschlüsse ankabelt und entsprechend mit Strom versorgt. Dieses Laufwerk dient nur zur Installation des Betriebssystems und wird danach direkt wieder abgestöpselt und verschwindet im Keller. Alternativ könntet ihr auch einen bootfähigen Installations-USB-Stick erstellen, doch das ist weitaus komplizierter.

Als USB-Stick hinten dran gesteckt, Installations-CD ins Laufwerk und los geht's! Sofort nach dem Rechnerstart drückt ihr mehrmals die ENTF Taste auf eurer Tastatur, welche ihr natürlich samt Maus und Monitor ebenfalls nur zum Installationszweck an euren neuen NAS Server angeschlossen habt. Ihr seid nun im BIOS angekommen. Hier könnt ihr erste Einstellungen vornehmen und solltet unbedingt den Festplattenmodus auf AHCI umstellen. Diese arbeiten dadurch effizienter. Es gilt nun vor allem die Bootreihenfolge zu verändern, sodass auf Platz 1 das CD-Laufwerk, gefolgt vom USB-Stick und allen anderen Möglichkeiten steht. Dann alles speichern und neustarten. Beim nächsten Bootvorgang lädt nun die Installation von FreeNAS, welches in ein paar Minuten ohne viele Möglichkeiten durchrattert. Ist diese abgeschlossen, wieder neustarten und fertig sind wir fürs Erste. Ihr könnt nun das CD-Laufwerk wieder abstöpseln und alle das Kabel wieder an die sechste Platte klemmen. Rechner wieder zu und START.

Der Bootvorgang des FreeNAS Betriebssystems dauert so einige Minuten. Also schnell einen Kaffee holen, Knabberzeug bereitstellen, eine rauchen, kurz eben duschen, den Wocheneinkauf erledigen, Essen kochen und dann geht's weiter. :)

Auf eurem Bildschirm steht nun jede Menge Zeugs, was eigentlich überhaupt niemanden interessiert. relativ weit unten steht jedoch groß und fett eine IP-Adresse. Diese merken oder aufschreiben!!

Nun könnt ihr den Monitor, die Tastatur und Maus wieder abklemmen und geht an euren normalen Desktop-PC oder Laptop, welcher per Netzwerk mit eurem neuen NAS verbunden sein muss. Ihr startet euren Browser und gebt als URL die eben gemerkte oder aufgeschriebene IP-Adresse ein. Schups! Da seid ihr auf eurem NAS und könnt ihn verwalten.

FreeNAS bietet so ziemlich jede erdenkliche Einstellmöglichkeit, die man sich für einen NAS wünschen kann. Hier kommen Technikfreaks voll und ganz auf ihre Kosten. Wer sich in Serververwaltung auskennt, sollte sich nun wie im Schlaraffenland fühlen. Wir als "gewöhnliche" Heimanwender benötigen nicht einmal 10% der gegebenen Möglichkeiten. Einzig großes Manko: Es gibt keine Einstellung für einen Standby Modus des Systems. Glücklicherweise kann man wenigstens für die einzelnen Festplatten eine Standby Zeit angeben. Diese haben wir auf 10 Minuten gestellt. Könnt ihr aber halten wie der Dachdecker, also wie ihr wollt.

Das wichtigste ist nun die Konfiguration eurer Festplatten. Links im Menü klickt ihr dazu auf "Speicher" und dann "Volumen Manager". Im Fenster laden nun eure verbauten Platten. Diese wählt ihr alle aus und erstellt dann euer gewünschtes Dateisystem. Wir wollen ein RAID5 System haben, um zum einen von der Zusammenarbeit der Festplatten als ein logisches Laufwerk zu profitieren und zum anderen die nötige Ausfallsicherheit durch Parität (eine Art Sicherungsplatte) zu gewährleisten. Dabei geht insgesamt leider etwas Speicherplatz verloren. Ihr könnt natürlich auch ein anderes Dateisystem nach eurem Geschmack wählen.

Nun kommt noch ein kleiner aber sehr wichtiger Kniff: Die Zugriffsrechte. Wir möchten unseren NAS ohne Kennwort und Benutzer im ganzen Netzwerk zur Verfügung stellen (Kennworteingabe nervt). Deshalb müsst ihr dies an den entsprechenden Stellen so einrichten. Am wichtigsten ist jedoch der Lese- UND Schreibzugriff auf die Platten. Das lässt sich über die Benutzersteuerung nicht einstellen. Dafür müsst ihr wieder in das "Speicher" Menü und dort dann auf "Zeige Datenträger". Dort erscheint nun euer RAID Datenträger und rechts davon seht ihr ein paar Buttons. Ihr klickt auf den sechsten von links "Zugriffsrechte ändern" und setzt dort alle Häkchen, die möglich sind. Jetzt erst können die Nutzer, die auf den NAS zugreifen nicht nur Daten lesen, sondern auch schreiben. Anders macht es ja wenig Sinn. Natürlich könnt ihr auch für einzelne User verschiedene Rechte vergeben, aber das zu erklären würde den Rahmen sprengen.


Nun ist euer NAS Server bereit und ihr könnt alles drauf hauen, was euch in die Finger kommt.

Viel Spaß dabei!! :)





01.03.2013 09:32 Uhr | Autor: Hypothenuse | Kategorie: Tests | Tags: Testbericht, Technik


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