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Review: A Most Wanted Man

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Review: A Most Wanted Man

Beitragvon Limbohuber Mo 9. Feb 2015 10:42

Film
John Le Carré war selbst einst Spion in Deutschland. Zunächst in Bonn, dann kurze Zeit in Hamburg.
Die Werke von Le Carré gelten als eine Art "Anti-Bond-Werke".
Insbesondere "Der Spion, der aus der Kälte kam" oder auch "Dame, König, As, Spion".

"A Most Wanted Man" (deutscher Buchtitel "Marionetten") ist da nicht anders.
Kein High-Tech-Schnick-Schnack oder Action bis zum abwinken.
Schon gar nicht "Sex, Drugs and Rock-N-Roll".

Die Hanldung spielt in Hamburg, zur Zeit der 9/11-Anschläge.
Der Tschetschene Issa Karpov flüchtet in die Hansestadt und gerät recht bald ins Visier einer kleinen Spionageeinheit.
Diese wird geführt vom ehemaligen Top Agenten Günther Bachmann (Seymour-Hoffmann).
Nebenbei ermittelt Bachmanns Truppe gegen einen muslimischen Wohlhabenden.
Jener steht in Verdacht militanten Islamisten über diverse Firmen und Einrichtungen Geld zuzuspielen und zu waschen.
Bachmann bekommt aber keinen Zugriff oder Beweis.
Zudem stehen ihm deutsche und amerikanische Interessen und Geheimdienste im Wege.
Der Verdacht alleine reicht nicht aus, so bekommt er zu hören.
Zumal Bachmann in Beirut offenbar eine großangelegte Aktion an die Wand gefahren hat.
Kredit hat er dadurch natürlich keinen mehr.
So muss er mit seiner Truppe also mehr bringen als nur Indizien.

Bachmann kämpft also an vielen Fronten.
Dennoch ist der Tschetschene für ihn der benötigte Joker.
Denn der Vater des Flüchtlings ist ein ehemaliger russischer Militär.
Dieser wiederum hat nicht nur etliche Greultaten auf dem Kerbholz, sondern auch reichlich Geld geparkt.
An dieser Stelle kommt Privatbankier Tommy Brue ins Spiel, welcher mit dem Ex-Militär eine gemeinsame Vergangenheit zu haben scheint.

Nebenbei gilt es die Bürgerechtlerin Annabel Richter auf Bachmanns Seite zu ziehen.
Richter will Karpov helfen, sieht in ihm keinen Terroristen.
Was wiederum der eine oder andere Geheimdienst anders sieht.
Schliessliche ist Kaprovs Vater ein russischer Ex-Militär.
Dazu will sich Karpov mit Brue treffen.
Nichtahnend, was ihm dieses Treffen bringen wird.

Viele Handlungsstränge, die desen 2-Stunden-Film genügend Action und Hysterie bringen können.
Le Carré weiß aber aus eigener Erfahrung, daß Spionage eher selten etwas mit Action etc zu tun hat.
Vielmehr geht es ihm um die Menschen.
Ist Issa ein Terrorist oder nur einer, der vor seiner Vergangenheit flieht.
Jemand, der "nur ein besseres Leben" führen will?

Auch wenn Bachmann (Hofmman) am meisten Screentime erhält, so dreht sich doch alles um Karpov.
Extrem wortkarg bildet er ein großes Mysterium.
Die vielen Parteien in diesem Film sehen in ihm immer etwas anderes.

Wie so oft be Le Carré entwickeln sich viele kleine & große Katz-und-Maus-Spiele im Laufe der Handlung.

Corbijn inszeniert wie immer sehr unaufgeregt.
Sehr schön fotografiert (Corbijns eigentlicher Beruf ist Fotograf), spielen Bilder und somit Hamburg fast schon eine weitere Rolle in "A Most Wanted Man"
Für die meisten vermutlich zu langweilig.
Es "passiert ja nichts" - obwohl eine Menge passiert.
Fast schon zuviel!

Und das ist dann auch schon das einzige Manko an "A Most Wanted Man".
Einige Aspekte werden nur leicht angerissen, etwa Brues kaputte Ehe.

Nichtsdestotrotz überzeugt "A Most Wanted Man".
Nicht nur wegen seiner ruhigen Inszenierung.
Vor allem wegen der grandiosen Darsteller und Bilder.
Hoffmann liefert eine klasse Leistung ab.
Und Dafoe habe ich Ewigkeiten nicht mehr so glänzend aufgeleget gesehen.
Nina Hoss spielt ebenfalls sehr gut!

Wertung 9,5 von 10

Bild
Corbijn kann es: Ein Bild sagt bei ihm mehr als die oft zitierten 1000 Worte.
Egal ob Nah- oder Weitwinkelaufnahme, natürlich oder gefiltert.
Die Bilder passen!
Dazu mit einer sehr schönen Schärfe und herrlicher Plastizität.

Wertung 9,5 von 10

Ton

Dialoglastig wie er nun einmal ist, hat der Center-Speaker am meisten Arbeit.
In den wenigen räumlichen bzw Actionszenen spielt die Tonspur sehr schön räumlich auf.
Spaß macht auch die englische Spur - wegen der deutschen Sprache.

Wertung 9 von 10

Extras

Es gibt ein Making-Of und ein Feature mit Le Carré, welches mehr Hintergrund zur Story bringt.

Wertung 4,5 von 10

Fazit

Wer Jason Bourne oder 007-Action erwartet, wird hier bitterböse enttäuscht.
Freunde von "Dame, König, As, Spion" etc kommen voll auf ihre Kosten.
Nicht nur wegen Hoffmanns letzter Hauptrolle.
Das ganze Ensemble haut ziemlich einen raus.
Die minimalistische Musik von Herbert Grönemeyer ist sehr passend.

Wertung 9,5 von 10

Kaufempfehlung !

A Most Wanted Man erscheint am 27.02.2015

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